Die innere Mitte in einer VUKA Welt bewahren oder wiederfinden

Für die Veränderungsdynamik der letzten Jahrzehnte, die unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und unsere Sozialsysteme auf den Kopf gestellt hat, scheint sich kein ruhigeres Fahrwasser abzuzeichnen. Die Flüchtlingskrise hat zu vielen Überforderungen geführt und die aktuell politischen Strömungen in Deutschland sowie in Europa zeichnen große Sorgenfalten auf die Stirn. Eine immer älter werdende Gesellschaft ruft nicht nur nach finanzieller Absicherung, sondern auch nach zunehmendem Betreuungsaufwand. Die im Grunde richtige Genderdebatte hat durch „mee too“ eine starke Thermik bekommen, doch welche Blüten treibt das bisweilen? Manchmal weiß man nicht mehr, wie man sich in diesem Thema „politisch korrekt“ verhalten darf.

Wenn wir in die Wirtschaft blicken beobachten wir, wie Start Up Unternehmen tradierte Geschäftsmodelle gefährden und dabei mitunter ganze Branchen ins Wanken bringen. Und bei all den Umbrüchen wissen wir nicht, welche dramatischen Folgen die zunehmende Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt noch nach sich ziehen wird.

Was ist los bei uns?

Bei dem Versuch, diese beunruhigende und verunsichernde Welt zunächst plakativ zu beschreiben, greifen Wirtschaftswissenschaftler vermehrt auf den Begriff VUKA Welt zurück. Dabei steht VUKA für:

 

  • Volatilität (Schwankungsintensität)
  • Unsicherheit  (Verunsicherungen und Ängste)
  • Komplexität  (Zunahme an Einflussfaktoren, welche in einer vielfältigen, nicht mehr eindeutig vorhersehbaren Wechselwirkung und Interpendenz zueinander stehen)
  • Ambiguität  (potenzielle Mehrdeutigkeit von Informationen oder Situationen)

 

VUKA signalisiert also den Abschied aus einem „Zeitalter der Gewissheiten“ und erzwingt demnach in vielen Branchen,  in Gesellschafts- und Lebensmodellen Konsolidierungsschritte, die neuen Sinn stiften. Doch wie stärkt man nun die eigene Antwort- und Anpassungsfähigkeit auf solche Bedingungen statt angesichts dieser unübersichtlichen Welt ohnmächtig zu werden? Wie können wir einen erfolgreichen und glücklichen Weg darin für uns finden?

 

Im ersten hier von mir vorgestellten Schritt, geht es zunächst einmal darum, dem Stress, den unsere Leistungs- und Multioptionsgesellschaft nach sich zieht und dieser sich ausbreitenden VUKA Atmosphäre, eine angemessene Ruhe- und Regenerationswelt entgegenzusetzen. Ein uraltes Sprichwort sagt bekanntlich, dass in der Ruhe ja die Kraft liegt. Im Lot zu sein, macht uns also stark. Im Kontakt mit dieser inneren Mitte vermögen wir Gelassenheit und Zuversicht zu schöpfen. Doch wie kommen wir in diese Mitte?

Da wir als Einzelner im Grunde durch Arbeit, Familie, Freizeitansprüchen und evt. Ehrenamt fast täglich permanenten Leistungserwartungen ausgesetzt sind, scheint mir zunächst die Frage nach den Oasen der Entspannung, den Räumen der Stille und den Phasen der Regeneration (wieder) eine ganz wichtige zu sein.

Denn nur durch regelmäßige Ruhe- und Regenerationsphasen kann der erlebte Stress abgebaut und damit die Leistungsfähigkeit und Leistungsfreude bewahrt werden (Eu Stress). Ein im Grunde genommen natürlicher Rhythmus zwischen Anspannung und Entspannung wird u.a. über das vegetative Nervensystem gesteuert, ist medizinisch gesehen ein uralter Hut und findet sich durch aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung vielfach bestätigt. Dennoch fällt es uns in der westlichen Welt zunehmend schwer, diese natürlichen Rhythmen einzuhalten. Das wird in einer zunehmenden VUKA Welt keinesfalls besser.

„Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht,

nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit.“

Friedrich von Schiller

 

  • Wo haben Sie also liebe Leserin und lieber Leser in Ihrem Leben noch Räume jenseits permanenter Leistungserwartungen?
  • Wo haben Sie noch Phasen der körperlichen, geistigen und emotionalen Regeneration?
  • Wie regelmäßig pflegen Sie diese Lebensqualitäten, die letztlich Lebensfreude zur Folge haben?

 

Die ersten praktischen Schlussfolgerungen:

1.) Die stille Stunde

Versuchen Sie einmal täglich mind. für 30 – 60 Min. ganz bei sich zu sein. Entweder beim Spazierengehen oder auf dem Sofa. Lenken Sie sich dabei nicht durch Gespräche, Geräusche, durch Fernsehen, Smartphone oder anderen Dingen ab. Einfach nur still sein. Wenn Sie Spazierengehen lassen Sie sich dabei von Goethe inspirieren: „Ich ging im Walde so vor mich hin, um nichts zu suchen, das war mein Sinn.“ (Das Glück der Tagträumerei)

Dabei stellt sich nicht nur der positive Effekt des „zur Ruhe Kommens“ ein, sondern Sie aktivieren das, was Hirnforscher als Default Mode nennen: Ihr Gehirn sondert den „Müll“ aus und wechselt in einen assoziativen Modus – ihre Kreativität wird angeregt.

 

2.) Metabalance und Gelassenheit

Betrachten Sie mal in Ruhe die Dinge in Ihrem Leben, die gerade gut laufen oder die über die Jahrzehnte schon gut gelaufen sind. Was kommt da alles zusammen? Was haben Sie eigentlich schon alles erreicht und geschafft?

Welches Gefühl tritt dann bei Ihnen auf? Zufriedenheit? Stolz? Vielleicht Glück?

Verbinden Sie sich immer wieder mit diesen inneren Zuständen.

Sie werden überrascht sein, denn wir sind oft Meister darin, zu beschreiben, was nicht gut läuft und das löst natürlich andere Emotionen in uns aus.

 

Schreiben Sie einmal für sich auf, wem und was gegenüber Sie in Ihrem Leben eigentlich dankbar sind. Wie viele Kleinigkeiten bescheren uns im Grunde ein dankbares Gefühl, wenn wir uns dessen wieder bewusst werden? Schreiben Sie das mal über einige Wochen in eine Art Dankbarkeitstagebuch.

 

„Dankbare Menschen sind wie fruchtbare Felder.

Sie geben das Empfangene zehnfach zurück.“

August von Kotzebue, deutscher Schriftsteller

 

Fazit des ersten Teils und Ausblick auf den zweiten Teil

Der Blick auf die positiven Dinge im Leben und auf das, worüber wir Dankbarkeit empfinden können, stärkt unsere Metabalance. Das bedeutet: im Erkennen dessen, was alles schon gut gelaufen ist oder worüber wir alles dankbar sein können, relativieren sich Missgeschicke des Alltags – denn in der Summe passt es doch!

Wenn uns also klar ist, was wir schon alles erreicht haben, fällt es uns in unsicheren und volatilen Zeiten leichter gelassener auf das zu reagieren, was kommt.

 

Im zweiten Teil beschäftigen wir uns mit dem inneren Ort der Kraft, den jeder Mensch als Ressource zur Verfügung hat, der aber den meisten Menschen unbewusst ist.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.